Der beste Website-Baukasten hängt von deinem Typ ab: Wix für Funktionen, Squarespace für Design, Jimdo für Einfachheit und Preis. Für die meisten Selbstständigen mit einer Dienstleistungs-Website ist Jimdo die vernünftigste Rechnung, für alle mit Terminbuchung oder Shop führt an Wix wenig vorbei, und wer vom guten Aussehen lebt, nimmt Squarespace.
Getestet haben wir das nicht mit Feature-Tabellen, sondern mit einer Aufgabe: dieselbe Website dreimal bauen, für eine fiktive Ernährungsberaterin mit fünf Seiten, Terminanfrage, Blog und Impressum. Von der Registrierung bis zur fertigen Seite, mit Stoppuhr.
So haben wir getestet
Jeder Baukasten bekam denselben Auftrag: Startseite, Über-mich, zwei Leistungsseiten, Kontakt mit Anfrage-Formular, dazu Blog und die Pflicht-Rechtsseiten. Gemessen haben wir die Zeit bis zur veröffentlichten Seite, die Ladezeit der fertigen Startseite auf dem Handy, die Kosten im ersten und im zweiten Jahr sowie die Frage, wie viel gestalterisches Talent nötig ist, damit das Ergebnis seriös aussieht. Alle Tarife regulär bezahlt, keine Presse-Zugänge.
Die drei Baukästen in der Übersicht
Baukasten | Preis (Stand: Juni 2026) | Zeit bis zur fertigen Testseite | Stärkster Einsatzzweck |
|---|---|---|---|
Wix | ab ca. 12–17 €/Monat | ca. 6,5 Stunden | Websites mit Funktionen: Buchung, Shop, Mitgliederbereich |
Squarespace | ab ca. 17 €/Monat | ca. 4 Stunden | Design-getriebene Auftritte und Portfolios |
Jimdo | ab ca. 9–15 €/Monat | ca. 2,5 Stunden | Schnelle, solide Visitenkarten-Website |
Wix: das Schweizer Taschenmesser mit Verletzungsgefahr
Im Test fiel sofort auf: Bei Wix gibt es auf fast jede Frage eine eingebaute Antwort. Terminbuchung mit Kalender-Sync? Dabei. Kleiner Shop für Ernährungspläne als PDF? Dabei. Mitgliederbereich, Newsletter, Chat-Widget? Alles da oder im App-Markt einen Klick entfernt. Unsere Testseite hatte am Ende eine funktionierende Terminanfrage mit automatischer Bestätigungsmail, dafür bräuchte es bei Jimdo ein externes Tool.
Die Kehrseite ist die Freiheit selbst. Wix lässt dich jedes Element frei verschieben, und genau so sehen viele Wix-Seiten dann aus: drei Schriftarten, fünf Abstände, ein Logo minimal schief. Unsere Seite wurde erst gut, als wir uns eine Regel auferlegten, nichts verschieben, nur Inhalte des Templates ersetzen. Dazu kommt eine echte Altlast: Das Template lässt sich nachträglich nicht wechseln. Wer nach einem Jahr ein neues Design will, baut die Inhalte neu auf. Mit 6,5 Stunden dauerte der Bau am längsten, was fair ist: Es entstand auch die funktionsreichste Seite.
Squarespace: die sichere Bank fürs Auge
Squarespace löst das Wix-Problem mit sanfter Bevormundung. Die Vorlagen sind die besten der Branche, und das System hält dich im Raster: Typografie, Abstände und Bildzuschnitte bleiben konsistent, fast egal, was du tust. Unsere Testseite sah nach vier Stunden aus, als hätte eine Design-Studentin sie gebaut, und das sagt mehr über den Baukasten als über uns.
Der Blog gehört zu den besten im Feld, was Squarespace für alle interessant macht, die über Inhalte Kunden gewinnen wollen. Dafür stößt du an Grenzen, sobald du gegen das Raster arbeiten willst: ein Element frei platzieren, einen Sonderfall bauen, geht oft nicht oder nur mit Umwegen. Zwei ehrliche Minuspunkte noch: Die Oberfläche spricht stellenweise Englisch, der Support fast immer, und mit rund 17 Euro im Monat ist es der teuerste Einstieg des Tests.
Jimdo: unterschätzt, weil unspektakulär
Jimdo gewinnt die Disziplin, die im Alltag von Solo-Selbstständigen am meisten zählt: Zeit bis fertig. Der geführte Modus fragt Branche, Ziel und Stil ab, zieht Texte und Bildvorschläge hoch, und nach zweieinhalb Stunden inklusive aller Textanpassungen war die Testseite online, seriös, mobiltauglich, unaufgeregt. Für eine Physiotherapeutin, einen Handwerksbetrieb oder eben unsere Ernährungsberaterin ist das Ergebnis völlig ausreichend.
Dass der Anbieter aus Deutschland kommt, merkt man an den richtigen Stellen: deutschsprachiger Support, Hilfen für Impressum und Datenschutzerklärung, Preise in Euro ohne Währungsüberraschung. Die Grenzen sind genauso klar: Wer Mitgliederbereiche, ausgefeilte Buchungsstrecken oder ein wachsendes Shop-Geschäft plant, wächst aus Jimdo heraus. Es ist das kleinste Werkzeug im Test, und für die häufigste Aufgabe das passendste.
Ladezeiten, Google und die Rechtspflichten
Die fertigen Testseiten haben wir mit Googles PageSpeed-Werkzeug auf dem simulierten Mobilgerät gemessen. Das Ergebnis widerlegt ein altes Vorurteil nur halb: Alle drei Seiten luden ordentlich, aber die Jimdo-Seite war die flotteste, schlicht, weil sie am wenigsten mitschleppt. Die Wix-Seite trug an ihren vielen Funktionen sichtbar schwerer und rutschte in den Messwerten ins Mittelfeld, blieb aber im grünen Bereich. Praxisfolge: Wer bei Wix baut, sollte der Versuchung widerstehen, jede App aus dem Marktplatz zu installieren, jedes Widget kostet Ladezeit, und Ladezeit kostet Besucher.
Bei den Google-Grundlagen nehmen sich die drei wenig: Seitentitel und Beschreibungen lassen sich überall pro Seite pflegen, Sitemaps werden automatisch erzeugt, die Anbindung an die Search Console ist dokumentiert. Den Unterschied macht, wie fast immer, der Inhalt. Unsere Empfehlung aus dem Test: pro Leistung eine eigene Seite mit 300 und mehr Wörtern echtem Text, dazu das gepflegte Google-Unternehmensprofil. Das schlägt jede technische Stellschraube.
Bleiben die Pflichten, die kein Baukasten abnimmt: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Einwilligung. Alle drei Anbieter liefern Bausteine und Banner-Werkzeuge, aber die inhaltliche Verantwortung liegt bei dir, ein generischer Mustertext, der Dienste nennt, die du gar nicht nutzt (oder verschweigt, die du nutzt), ist ein klassisches Abmahnrisiko. Eine Stunde mit einem Rechtstexte-Generator eines seriösen Anbieters plus jährliche Kontrolle ist hier das Minimum. Jimdo verdient ein Lob für die verständlichsten Hilfetexte zu diesem Thema; sie ersetzen keine Beratung, verhindern aber die gröbsten Fehler.
Die Kostenwahrheit über drei Jahre
Baukästen werden gern über den Monatspreis verglichen, bezahlt wird aber über Jahre. Unsere Rechnung für eine werbefreie Seite mit eigener Domain über drei Jahre: Jimdo rund 400 bis 550 Euro, Wix rund 500 bis 650 Euro, Squarespace rund 650 Euro und mehr, jeweils zuzüglich der Domain, wenn sie nicht im ersten Jahr enthalten ist. Zum Vergleich: Eine einfache Agentur-Website kostet einmalig meist 1.500 bis 4.000 Euro plus Pflege. Die Baukasten-Rechnung gewinnt für Standardseiten deutlich, unter einer Bedingung: dass du die zwei Stunden Pflege im Quartal wirklich einplanst. Eine Website mit Öffnungszeiten von vorletztem Jahr kostet Vertrauen, und das ist teurer als jedes Abo.
Ein Posten fehlt in vielen Kalkulationen: die E-Mail-Adresse zur Domain. info@deinname.de wirkt seriöser als jede Gmail-Adresse, ist aber nicht bei jedem Baukasten-Tarif enthalten, teils steckt sie im Paket, teils kommt ein Postfach-Abo für einige Euro monatlich dazu. Kläre das vor der Anbieterwahl, nicht danach; nachträglich umziehen nervt. Und noch ein Spar-Hinweis aus dem Test: Alle drei Anbieter fahren regelmäßig Rabattaktionen aufs erste Jahr. Die kannst du mitnehmen, kalkulieren solltest du trotzdem mit dem regulären Preis ab Jahr zwei, sonst wiederholt sich die Abo-Falle, die wir schon aus anderen Software-Kategorien kennen.
Welcher Baukasten für wen?
- Deine Website soll Termine annehmen, verkaufen oder Mitglieder verwalten: Wix.
- Dein Auftritt ist dein Portfolio, Fotografie, Design, Beratung mit Anspruch: Squarespace.
- Du willst in einem Nachmittag eine seriöse Visitenkarten-Website mit deutschem Support: Jimdo.
- Du willst maximale Freiheit und bringst Gestaltungsdisziplin mit: Wix, mit der Template-Regel aus diesem Test.
Das Fazit
Der interessanteste Testbefund: Die schnellste Seite war auch eine der besten. Jimdos geführter Modus verhindert genau die Fehler, die bei Wix aus Freiheit entstehen, und für die klassische Selbstständigen-Website ist „schnell fertig und solide" schlicht das richtige Ziel. Deshalb geht der Preis-Leistungs-Sieg an Jimdo, der Funktionssieg an Wix und der Design-Sieg an Squarespace. Einen Gesamtsieger auszurufen wäre hier unehrlich: Die drei bauen dieselbe Sache für drei verschiedene Menschen. Preise und Wertungen dieses Vergleichs prüfen wir quartalsweise; das Stand-Datum findest du am Artikelanfang. Und zur Einordnung wie immer: Alle Tarife hat die Redaktion regulär selbst bezahlt, keiner der Anbieter ist mit unserem Verlag verbunden.
